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Wynton Rufer gab den Pott nicht mehr her – obwohl Werder-Manager Willi Lemke beim Interview mit ZDF-Mann Rolf Töpperwien schon mal vorsichtig Hand anlegte.

„Ein Traum, wir haben tagelang gefeiert“

25 Jahre danach: Finalheld Wynton Rufer erinnert sich an Werders Europopokalsieg

Bremen - Meisterschaften und DFB-Pokalsiege machen Vereine besonders, aber erst ein Europapokalsieg sorgt für das ganz große Ansehen in der Fußball-Welt. Vor fast genau 25 Jahren ist Werder dieser Coup gelungen, am 6. Mai 1992 holte das Team von Trainer Otto Rehhagel in Lissabon den Europapokal der Pokalsieger – durch einen überraschenden 2:0-Sieg gegen AS Monaco.

Die Franzosen waren als großer Favorit in das Finale gegangen. Wynton Rufer bereitete das 1:0 von Klaus Allofs vor und erzielte den zweiten Treffer selbst. Spätestens seitdem verehren die Werder-Fans ihren „Kiwi“, wie der Neuseeländer in Bremen nur genannt wird. Regelmäßig besucht der 54-Jährige noch die Hansestadt, schließlich arbeitet er als Botschafter und Scout für Werder. Exklusiv für die WerderStube erinnert sich Rufer im Wuseum im Weserstadion an den größten Triumph seiner Karriere.

Herr Rufer, was besitzen Sie noch von Ihrem Europapokalsieg?

Wynton Rufer: Ich habe mir selbst einen kleinen Europapokal machen lassen. Vielleicht kriegen wir jetzt noch einen vom Verein, ich hätte nichts dagegen. Meiner steht bei mir zu Hause in Neuseeland. Viele Leute kommen und schwärmen: „Schöner Pokal, bist du Rugby-Spieler?“ So sind die da. Mit Fußball können sie nicht so viel anfangen, dafür umso mehr mit Rugby. Aber da kriegste einen ab und bist gleich drei Jahre weg (lacht). Deswegen habe ich nie Rugby gespielt.

Wo ist Ihr Final-Trikot?

Rufer: Das ist in Bremerhaven bei Wally Kruso, der hat ein Sportgeschäft. Ich habe ihm das damals geschenkt. Ich weiß gar nicht mehr warum. Aber jetzt muss ich da wohl mal hin, das Trikot gehört einfach hier ins Wuseum.

Woran denken Sie als erstes beim 6. Mai 1992?

Rufer: An meinen Vater, der damals extra aus Neuseeland da war. Genauso wie Freunde aus der Schweiz – und natürlich meine Frau. Es war ein Geniestreich von Otto Rehhagel, dass er Klaus Allofs aufgestellt hat. Keiner hat das erwartet. Vor allem nicht Monaco-Coach Arsene Wenger. Die waren Favorit – und wir haben gewonnen. Klaus und ich hatten schon ein besonderes Verhältnis.

Warum?

Rufer: Klaus ist einer der besten Spieler, mit denen ich zusammen spielen durfte. Von ihm habe ich viel gelernt. Er war Weltklasse, obwohl er damals mit 36 Jahren schon ein kaputtes Knie hatte. Wenn Klaus den Ball hatte, bin ich losgelaufen, einfach nur bumm weg, er hat gespielt – Tor! (lacht)

Das 1:0 in Monaco haben Sie ihm aber vorgelegt.

Rufer: Das war ein langer Ball von Uli Borowka, den ich ich mit dem Kopf verlängert habe – und Klaus hat ihn mit seinem schwächeren rechten Fuß reingehauen.

Sie waren bei Ihrem 2:0 auch ziemlich cool.

Rufer: Nicht nur ich. Mirko Votava hat im Mittelfeld super gestört. Der Ball landete bei Klaus Allofs. Und Monaco versuchte tatsächlich, auf Abseits zu spielen, obwohl ich aus der eigenen Hälfte gestartet bin. Das war ziemlich blöde von ihnen. Klaus hat einen super Pass gespielt – und ich bin alleine auf den Keeper zu.

Das war kein Geringerer als Frankreichs Nationaltorwart Jean-Luc Ettori, den sie ziemlich düpiert haben.

Rufer: Ich konnte nicht anders, das war mein Instinkt. Ich musste den Ball rechts vorbeilegen und dann links vorbeigehen.

Wie oft haben Sie sich das Tor schon angeschaut?

Rufer: 1.000 Mal. Aber ich kann nichts dafür. Neulich habe ich hier in Bremen in meiner Kirchengemeinde einen Vortrag gehalten – und was machen die? Die zeigen mein Tor (lacht).

Was ist nach dem Abpfiff in Lissabon passiert?

Rufer: Ich glaube, ich habe den Pokal gar nicht mehr aus der Hand gelassen. Die Spieler waren alle schon längst in der Kabine, da habe ich draußen immer noch mit den Leuten gefeiert. Mein Vater ist auf den Platz gekommen. Das war klasse. Da habe ich immer noch tolle Bilder im Kopf. Du gewinnst eben nur einmal im Leben den Europapokal, das musst du feiern.

Wie lange ging die Party?

Rufer: Es war ein Traum, wir haben tagelang gefeiert und gar nicht mehr trainiert. Unser nächstes Spiel war in Frankfurt. Wenn sie uns geschlagen hätten, wären sie Deutscher Meister gewesen. Die Hälfte unserer Mannschaft war noch betrunken. Und am Abend vor unserem Spiel waren plötzlich sehr viele schöne Frauen im Hotel, die waren sonst nie da. Ich habe gehört, dass soll alles organisiert gewesen sein – auch der Champagner. Otto Rehhagel ist ausgeflippt. Ich als gläubiger Christ bin natürlich brav ins Bett gegangen. Aber ich weiß nicht, was unsere Banditen so gemacht haben (lacht).

Das hat offenbar stimulierend gewirkt . . .

Rufer: O ja, wir haben völlig ohne Druck aufgespielt. Und Klaus und ich haben wie schon in Lissabon wieder getroffen. Das Spiel endete 2:2. Am letzten Spieltag hat Frankfurt dann in Rostock verloren – und Stuttgart war Meister. Wahnsinn!

Wie war es, plötzlich ein Europapokalsieger zu sein, gab es für die neue Saison Motivationsprobleme?

Rufer: Nein, überhaupt nicht. Wir haben damals ja in jeder Saison einen Titel gewonnen. Es ging sofort super weiter, wir hatten einen Lauf und sind Deutscher Meister geworden. 1994 haben wir den DFB-Pokal geholt. Und dann ist diese Serie wegen mir gerissen, ich habe sie kaputt gemacht, das ist meine Schuld.

Warum?

Rufer: Ich bin im Winter nach Japan gewechselt. Wir waren Zweiter hinter den Bayern und hatten eine gute Chance auf den Titel. Aber die Japaner haben mir so viel Geld geboten – und ich war 32. Da dachte ich mir: ,Gut, Wynton, da kannst du dir später ein schönes Angelboot kaufen und nach der Karriere schön in Neuseeland fischen oder Golf spielen oder Sushi essen. Und jetzt muss ich immer noch arbeiten (lacht). Alles Spaß! Ich bin einfach nur glücklich, dass ich in dieser erfolgreichen Ära von Werder dabei sein durfte.

Was werden Sie am 6. Mai machen?

Rufer: Nichts Besonderes. ich werde in Neuseeland sein. Wir feiern das dann groß im August. Werder hat uns alle eingeladen. Darauf freue ich mich schon. Es ist immer wieder schön, die alten Freunde zu treffen.

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